Lernen kann man überall

Im Juni 2009 startete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Pilotprojekt „Mobile Learning – prozessbezogenes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsbedingungen“. Ein Teilprojekt des breit angelegten Forschungsvorhabens untersucht das Thema „Mobiles Lernen von Berufskraftfahrern“. Dabei sollte erprobt werden, ob das Lernen von unterwegs eine Möglichkeit für Berufskraftfahrer sein kann, sich zu verschiedenen Themen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes weiterzubilden. Denn gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist es wichtig, dass die Gesundheit und damit die Leistungsfähigkeit der Fahrer möglichst lange erhalten bleibt. Projektpartner waren dabei die BG Verkehr, unser Mitgliedsbetrieb, die Spedition Bode aus Reinfeld, das Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG), die Firma Handylearn-Projects und die Fern-universität in Hagen, welche die wissenschaftliche Begleitung übernommen hat. Die Aufgabe der BG Verkehr lag vor allem in der fachlich-in-haltlichen Betreuung der Lernmodule für die Fahrer. Dabei war für alle Projektbeteiligten gleichermaßen interessant, was im Sinne der gesundheitlichen Prävention sinnvoll, aber gleichzeitig für die Fahrer unterhaltsam sein kann. Vier Themen standen auf der Wunschliste der Fahrer ganz oben und wurden ansprechend umgesetzt:

  • gesunde Ernährung
  • Bewegung
  • Stressbewältigung
  • gelungene Kommunikation

Darüber hinaus gab es 12 weitere Angebote, zum Beispiel zu den Themenkomplexen Be- und Entladung, zur Ermüdung, zur Ladungssicherung und zum Verhalten bei Pannen. Netbook mit Online-Lernplattform.

Die Fahrer konnten sich unterwegs in Fahrpausen mittels eines Netbooks in eine Online-Lernplattform einloggen. Dort konnten sie sich kurze Lernvideos zu den Themen anschauen, es gab hinterlegte PDFs mit Zusatzinformationen, Podcasts zu einzelnen Themen, die Möglichkeit mit Kollegen zu chatten und online Fragen zu den Lernthemen loszuwerden. Außerdem gab es auf Wunsch der beteiligten Fahrer (!) die Möglichkeit, Wissenstests zu bewältigen und damit Zertifikate für die Teilnahme zu erhalten. „Eine interessante Sache“, sagt Uwe Zemke (46). „Auch wenn es mir nach einem anstrengenden Tag hinterm Steuer, nach Be- und Entladen nicht immer leicht gefallen ist, abends in der Koje auch noch meine Hausaufgaben zu machen.“

Neun Fahrer zertifiziert

Die im April 2011 gestartete Praxisphase ist nun beendet. Neun Fahrer der Spedition Bode haben am 11. Februar 2012 ihre Abschlusszertifikate erhalten. Die BG Verkehr gratuliert und dankt dem Unternehmen und den Fahrern für ihr Engagement. Teilnahme hat sich gelohnt. Nach ersten Auswertungen nutzen die Fahrer die Lernangebote überwiegend in der Fahrerkabine. Die Nutzungsdauer betrug circa zwanzig Minuten in den Abendstunden der „Primetime“. Die Lernangebote wurden verstärkt in den ersten Tagen der Woche mit abnehmender Tendenz zu den Wochentagen genutzt. Am Anfang gab es Probleme mit der Internet-Abdeckung, was bei einigen Fahrern zu einem Motivationsverlust führte. Diese Probleme konnten jedoch im Lauf der Praxisphase durch einen Providerwechsel behoben werden.

Im Herbst 2012 soll der Abschlussbericht für dieses Projekt mit detaillierten Ergebnissen vorliegen. Erst dann wird sich herausstellen, ob Mobile Learning für die Prävention bei Berufskraft fahrerinnen und Berufskraft fahrern empfehlenswert ist. Der SicherheitsProfi wird berichten. Für die Spedition Bode hat sich nach Aussagen von Seniorchef Eckhard Bode die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt. Neben der geplanten Zertifi zierung weiterer beteiligter Fahrer wird die Spedition das bestehende System im Rahmen ihres Qualitätsmanagements betriebsbezogen weiterführen und weiterentwickeln.

Constanze Duismann und Torsten Haffke